Der alt eingesessene deutsche Ottonormalgriller kennt dieses Szenario bestens.
Zum gemütlichen Grillen mit Bier, Wurst und Nackensteak eingeladen bei Freunden.
Der Sack Holzkohle wurde bereits komplett in den Grill geschüttet und mit einer halben Flasche Spiritus getränkt.Ein Deckel? Fehlanzeige, gibt es nicht oder liegt irgendwo im Schuppen. Mit einem Feuerzeug wird ein abgerissenes Stück Papier des Kohlesackes angezündet und auf die Kohlen geworfen. Ein riesiger Feuerball entflammt und so sollen die Kohlen angezündet werden, es reicht natürlich nicht und die restliche Flasche wird hinzugekippt. Endlich sind die Kohlen auf Höchststemperatur und der Rost wird aufgelegt, damit er ordentlich Hitze abbekommt und sein Aggregatzustand sich allmählich in richting Flüssig verwandelt.
„Das Rost muss glühen“
Zeit die mit gelantine bedeckten Bratwürste und die von Marinade ertränkten ungleichmäßig geschnittenen Nackensteaks aus Ihrer folierten Schutzatmosphäre zu befreien und auf den glühenden Rost zu platzieren bis keine Stelle mehr frei ist.

Die Marinade tropft auf die höllisch heißen Kohlen und entfacht ein schönes Feuerchen, welches natürlich sofort mit der halben Kanne Bier abgelöscht wird. Das Feuer schreckt zurück, der Grill zischt und qualmt wie eine Dampflok, ein wunderbarer Duft von Bier und Asche steigt empor und würzt unser kross verbranntes Fleisch von aussen.
„Das Fleisch muss durch sein“
Die Muttis und die Kinder sitzen hungrig am Tisch und wollen endlich leckeres Grillfleisch auf Ihren Tellern. Es müssen natürlich auch die kleinen Mini Bratwürste „Nürnberger“ für die Sprösslinge gegrillt werden, wer kennt es nicht?! Die fallen immer so wunderbar durch die Roste.
Da alles zur gleichen Zeit fertig sein soll und da alle zusammen essen wollen, wird das bereits fertige Grillgut auf dem Rost übereinander gestapelt oder schon auf einem Teller neben dem Grill zusammen gefercht, um das nächste Fleisch aufzulegen.
„Alles muss aufeinmal fertig sein“
Jetzt ist es endlich soweit, alles ist abgegrillt und kann verschlungen werden. Die verbrannten Stellen werden abgeschnitten oder liegen gelassen, Bratwürste werden in Ketchup oder Senf ertränkt und das Steak wird angeschnitten, obduziert, siziert und da es noch blutig/rosé ist, noch einmal 10 Minuten auf den Grill von beiden Seiten „durch“ gebraten, um es danach mit einer halben Rolle Kräuterbutter zu verschlingen.

Ja so macht das Spaß. Das ist grillen vom feinsten… im ernst?
geht das auch anders? Wie machen das die Profis oder Grillmeister?
Eins ist sicher, ein Steak mit Bier zu übergießen oder es abzulöschen bringt überhaupt nichts, das ist ein Mythos, ebenso wie: der Rost muss glühen oder vom Holzkohlegrill schmeckt es besser als vom Gasgrill und ein Steak muss nicht durch sein, denn wenn es durch ist, ist es meiner Meinung nach ungenießbar.
Ich möchte euch einmal erklären wie man richtig grillt.
Zum einen gibt es das direkte und das indirekte Grillen.
Direktes Grillen wird angewendet um kurz etwas bei hoher Hitze anzugrillen, wie zum Beispiel Hamburgerpatties oder dem Steak eine leckere Kruste mit Röstaromen zu verpassen um es anschließend in die Indirekte Hitze zu legen, damit es auf Kerntemperatur ziehen kann, je nachdem wie dick unser Stück ist.

Beim indirekten Grillen platzieren wir unser Grillgut nicht direkt über den glühenden Kohlen sondern dort wo sich keine Kohlen unter dem Rost befinden, entweder direkt auf dem Rost oder zum Beispiel auf einer Holzplanke oder einer Salzplanke. Das Grillgut wird somit nur durch die heiße Luft gegart (in Fachkreisen auch Konvektionshitze genannt).
Durch diese Methode können wir unser Fleisch auf schonende Weise,somit vor dem austrocknen bewahrt auf die gewünschte Kerntemperatur garen lassen, welche wir mittels eines Grillthermometers wie dem Maverick ET733 perfekt überwachen können.

Die indirekte Zone kann auch zum warmhalten verwendet werden, wenn sich eine Zubereitung anderen Grillgutes verzögert oder der Besuch sich verspätet.
Das indirekte Grillen wird am häufigsten angewendet für Pulled Pork, Ribs, Briskets mit dem Minionring oder bei dicken Steaks welche damit fertig gegart werden.
Beide Grillmethoden, das direkte und indirekte grillen können auch hintereinander genutzt werden. Zum Beispiel erst das Steak scharf über direkter Zone angrillen (zB. 90/90/90/90 für ein schönes Brandingmuster) und dann in der indirekten Zone fertig garen lassen, oder genau andersherum. Zuerst das Steak indirekt auf Kerntemperatur garen lassen und dann über der direkten Zone (vorher hochregegeln) mit Röstaromen versehen, die sogenannte Reverse Sear Methode.
Versuch doch einfach beim nächsten mal Dein Steak so zu grillen. Du wirst merken das Du auf ein viel besseres Ergebnis kommen wirst als Du es bisher immer gemacht hast.
Sollte in Deinen Holzkohlegrill trotzdem einmal ein Feuer entfachen, so kannst Du es mittels deines Grilldeckels einfach ersticken. Aber meistens ist der Deckel beim richtigen grillen aufgelegt damit der Garraum die Temperatur konstant hält.
Flachgrillen kann natürlich auch Spaß machen und wenn es richtig gemacht wird, dann schmeckt es sogar deutlich besser als verbrannt und mit Asche gewürzt.
Das leckere Bier solltest Du dir lieber in deinen Hals schütten, als es zum löschen für die Kohlen zu verschwenden.
Probier es einfach mal aus
Let’s make grillen great again!
- Einen weiteren Beitrag zum indirekten und direkten grillen Gas/Kohle findest Du hier
- Die Minionring Methode zum indirekten grillen findest Du unter diesem Link
- Und wie Du den Kugelgrill richtig einstellst und regelst findest Du hier
